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    Wenn Frauen kommen – re:publica meet up

    Wenn Frauen kommen – DIY Porno in Deutschland

    Auch wenn der feministische Porno schon seit den 1980er Jahren in ersten Formen existiert, ist er für einen Großteil der deutschen Bevölkerung ein konstantes Mysterium. Geht das feministische Unterfangen an der weiblichen Zielgruppe vorbei? Wieso sind 80% der Konsumenten feministischer Pornografie Männer und die anderen 20% vor allem queere Frauen? Trotz der europäischen PorYes-Bewegung gibt es enorm viele Hürden für ein gleichberechtigtes „Pornotopia“.

    Katybit untersuchte in ihrer Masterthesis die aktuelle (queer-)feministische Pornolandschaft, welche in Europa und den USA bereits eine 35-jährige Historie aufweisen kann. Angesichts dieser Zeitspanne enttäuscht jedoch das Ergebnis ihrer Auswertung. In einer männerdominierten Industrie Filme an die Frau zu bringen, ist – metaphorisch gesprochen – ein emotionales und finanzielles Minenfeld.

    Pornos über Crowdfunding zu finanzieren ist daher keine Seltenheit mehr, nachdem viele klassische Wege nicht unbedingt Gewinn versprechen. Welche Bezahlformate eignen sich heute in der digitalen Welt?

    Katybit, die seit 2010 auch selbst Kurzfilm-Pornos dreht und viele Filmemacherinnen weltweit getroffen hat, kennt die Fallstricke der alternativen Pornoindustrie und zieht Bilanz hinsichtlich Inhalt, Form und Distributionswegen. Die Filmemacherin ist überzeugt von der politischen Relevanz, empfiehlt aber ein Umdenken, um den Porno aus dem kleinen akademischen Dunstkreis heraus zu heben.

    Der feministische Porno ist in den USA, Australien und Europa konstant in Entwicklung begriffen. Auch in Deutschland gelingt es immer mehr gute Filme zu produzieren.

    Was wünscht ihr Zuschauer euch für die Zukunft des Pornos? Diese Frage stellte ich auf der Republica 2016 und stellte mich allen Fragen. Am meisten war ich besorgt, dass immer noch soviel Unklarheit über Pornos, Alternative Pornos und Fair Porn besteht, dass ich bestätigt wurde, diesen Blog und meine und auch andere Projekte jetzt und in Zukunft verstärkt fortzusetzen.

     

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    La Fete du Slip

    3 Tage in der Schweiz

    Ich besuchte im Februar 2016 mit Freunden erstmals das Filmfestival „La Fete Du Slip“ in Lausanne in der Schweiz. Das Festival befasst sich mit Sexualität und Pornografie im medialen Kontext. Es war sozusagen die schweizerische Variante des Pornfilmfestivals Berlin, aber mit sehr eigener Note.

    Neben dem umfangreichen Kurzfilmprogramm bietet das Festival gesellschaftliche Entwicklungen im Bereich der Pornografie ein Podium. Das dreitägige Festival verteilte sich auf viele verschiedene Spielstätten in der schönen Stadt Lausanne.

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    Das Kurzfilmprogramm

    In der Kulturstätte „Arsenic“ lief das Kurzfilmprogramm. Insgesamt wurden 25 Kurzfilme aus dem Pornbereich mit sechs Stunden Laufzeit gezeigt. Dieses Programm beinhaltete allerhand unterschiedliche Werke, wobei meiner Ansicht nach eine kunstvolle Auseinandersetzung mit Pornografie für einen Großteil der Werke bezeichnend war. Manche Filme waren gar nicht explizit. So war z. B. im Kurzfilm „Mi Coche“ vom Toytool Committee fast gar nichts zu sehen, während erotische Thematiken fast ausschließlich über Geräusche transportiert wurden.
    Andere, wie auch der Publikumsliebling „O Mio Fiore Delicato“ von Rosario Gallado waren sehr pornografisch. Hier hing ein junger Mann gefesselt in einem Raum. Eine ältere Dame verführte ihn, spielte mit ihm, quälte ihn und lies sich dann von dem so misshandelten penetrieren.
    Sehr komödiantisch war der Kurzfilm „The Seductive Art of Catalonian Sex“ wo einen ganze Ziegenherde das Pärchen beim Sex überrascht.
    Persönliches Highlight und aber ebenso verstörend wie schön waren die Filme von Antonia Da Silva. Im „Ecosexual“ zeigt Antonio wie man mit einer Aloe Vera Pflanze erfreuliche sexuelle Erfahrungen haben kann. Der 12-minütige Film, gedreht in Natur und am Meer, wirkte auf mich wie Urlaub auf meiner Netzhaut.
    Dagegen wirkte sein zweiter Film „Spunk“ eher gegenteilig. In 36 Minuten sieht man nichts, außer unendlich vielen Männern und deren Penen. Es geht um die Lust an der Masturbation und Ejakulation in (Video-)Chatrooms. Was erst dokumentarisch anmutet ist ein visueller Trip in die Schlafzimmer von tausenden Männern und endet, dank Spezialeffekten, in glitzernden Ejakulationen. Da Silva ist ein grandioser Video-Künstler, aber er hat leider die Ausdauer de, meisten Zuschauer überschätzt, weshalb nicht alle in den Genuss der vollen Penisshow gekommen sind, sondern lieber nach draußen flüchteten. Leider verpassten viele dadurch ein weiteres filmisches Highlight: „Mask4Mask“, ein wirklich grandioser Kurzfilm, mit einer sehr teuren Latex-Ausstattung. Jeder in dem Film, und es gab sehr viele Komparsen trug einen Latexanzug.

    Das Langfilmprogramm

    Aber es gab auch noch einige Langfilme, wie „Schnick Schnack Schnuck“, „Endstation Liebe“ und „When we are together we can be everywhere“. Letztere ist von
    Marit Östbergs und zeigt einen sexuelle Suche einer Frau durch die Berliner Queer-Community, die für sich eine Welt geschaffen hat, in der jeder jeden lieben kann.

    Dokumentarisch und persönlich ging es im Fokus „Jan Soldat“ hart zur Sache. Mit seiner enormen Neugier und zugleich mit seinem sehr respektvollen Umgang mit den Protagonistem kreiert Jan Soldat einzigartige (Doku-) Filme. In seiner Masterclass beantwortet er Fragen wie er Themen wie Sex mit Tieren oder in die Jahre gekommene schwule Pärchen auf die Kinoleinwand gebracht hat.

    Das Rahmenprogramm

    Zudem gab es zahlreiche Perfomances, Workshops und Interaktives, wie beispielsweise das geniale „Dildo Race“. Fünf Dildos traten gegeneinander an, wer würde gewinnen? Vorstellen muss man sich eine erhöhte Rennstrecke von rund einem Meter. Unten befindet sich das Ziel. Erst werden alle Dildos gestartet und dann öffnen sich die Pforten. Mein Favorit in Kabine eins hatte auch glatt gewonnen.

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    Großartig und wirklich gelungen fand ich die Virtual-Reality Installation von Maria Guta. In „POV VR XXX“ konnte man in die Rolle eines vierer Charakteren schlüpfen, die in der Woche zuvor im gleichen Ausstellungsraum aufgezeichnet wurden. Durch die Virtual-Reality Brille tauchte der Betrachter in eine wundersame Welt voller Mehrjungfrauen, Krabben und Seeungeheuern, die miteinander spielten und sich ihrer Lust frönten.

    Begleitet wurde das Filmfest durch abendliche Partys und endete mit einer kleinen aber feinen Abschlussparty im Festsaal „La Bourg“ mit der Verkündung der Gewinner des Kurzfilmwettbewerbes.
    Insgesamt ein tolles und anspruchsvolles Festival, das man als Schweizer (und natürlich auch andere) nicht missen sollte.

    Preise:

    – Der Publikumspreis ging an „O Mio Fiore Delicato“ von Rosario Gallado.

    – Bester Kurzfilm war laut Jury „Vital Signs“ von Gala Vanting

    – Honorable Mentions für ein besonders gelungenes Artwork ging an „Ecosexual“ von Da Silva und auch an mein eigenes Projekt Cum different für meinen letzten Film „Last Call“.

    katybit

    Dies geschah natürlich sehr zu meiner persönlichen Freude 🙂

    Katybit